DESOLATION

Aug 7th, 2013 | By | Category: Band

Wer bietet in Zeiten, in denen Werte ihre Bedeutung verlieren,  wo das Oberste zuunterst gekehrt wird, weltliche und geistliche  Führer an Autorität verlieren, Religionen, Parteien und Nicolas  Weltanschauungen schneller auf dem Müllhaufen der Geschichte  landen als man „Ideologie“ schreiben kann, Orientierung?  DESOLATION geben ihre Antwort: Niemand!

Folgerichtig und nicht ohne Wortwitz betiteln die sechs Hannoveraner ihren dritten Longplayer „Desoriented“. Wäre der Begriff Konzeptalbum nicht spätestens seit den späten Siebzigern verbrannt, hier hätte er zumindest einige Berechtigung. Denn das
Thema „Desorientierung“ zieht sich wie ein roter Faden durch die zehn Songs. Richtungslosigkeit und die Gefühle, die Menschen gemeinhin ergreifen, wenn sie nicht wissen, was der nächste Tag bringt, sind der Treibriemen und die thematische Klammer des Albums. Die Mutter Gottes, das Lamm, das hinweg nimmt die Sünden der Welt? So einfach ist das nicht mehr („Ave Maria“, „Agnus Dei“). Stattdessen bewegt sich die „Sainthood of the Fallen“ im brachialen Marsch auf die letzten Bastionen von Sinn und Ordnung zu. „Dorothy“, die eigentlich nur die Hacken zusammenschlagen muss, um aus dem chaotischen Oz wieder im heimischen Kansas zu landen, tut ihren letzten Atemzug in einem heruntergekommenen Stundenhotel. Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Und die „L’Auberge d’Esolation“ bietet keine Zuflucht. Im Gegenteil: Am Ende ist Jeder alleine.

Im krassen Gegenteil zum Chaos der beschworenen Apokalypse steht das fast mathematische Konzept der Arrangements. Dem Zufall überlassen DESOLATION nichts, was die Musik im Gegensatz zum eher experimentellen vorigen Album wieder eingängiger macht. Das Brett der Gitarren findet immer ihren Kontrapunkt in den symphonischen Keyboards, was den Songs ihre bedrohliche, düstere und hoch dramatische Atmosphäre verleiht. Dabei ist der Instrumenteneinsatz nie ein Selbstzweck, Effekthascherei ist das Ding der hannoverschen Band nicht. Die
akustischen Ornamente, die Technikverliebtheit, die viele Prog-Metal-Bands als Ausweis von Virtuosentum vorgeben, fehlen hier ganz. Dafür bringen Up-Tempo-Nummern wie der Titeltrack oder „On Bloodshed“ die Dringlichkeit der Gefühle angesichts des Werteverlusts souverän auf den Punkt. Bestes Beispiel aber ist „Home is where the heart is“: Der Opener ist musikalisch die Essenz der ganzen Scheibe, wenn Keyboards, Gesang und Gitarren eine apokalyptische Szenerie entfalten, sich die Instrumente und die Stimme der Sänger unaufhaltsam auf einen Höhepunkt zuwälzen, von dem der Hörer weiß, dass hier keine neue Ordnung wartet, sondern Schmerz, Sinnlosigkeit und Verzweiflung. Hier verschmelzen die Gegensätze der Choräle, die Gewalt der Gitarren, das hymnische Keyboard zu einem hoch energetischen Amalgam.

Mit „Desoriented“ tauchen DESOLATION in einen dunklen Malstrom ein, dem man sich nicht entziehen kann und der in die Abgründe der eigenen Seele führt. „Where do you go from here?“

Mitglieder:

René Hühnerberg – Bass
Felix Hanisch – Gitarre
Nicolas Marochow – Gitarre
Johannes Bergmann – Vocals
Sebastian Thomas – Keyboards/Vocals
Thomas Nagel – Schlagzeug

Diskographie:

Call The Storm (1999)
Under Pitch Black Skies (2006)
Desoriented (2013)

Mehr Informationen:

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